Jorge, Angola

Erneut operiert für mehr Lebensqualität

Jorge, 2011 in Angola geboren, ist im Herbst 2021 ein weiteres Mal im Universitätsklinikum Würzburg operiert worden. Dabei wurden wachstumsbedingte neuerliche Verwachsungen von Kiefer und Schädelbasis entfernt.

Jorge war zunächst wieder in sein Heimatland zu seinen Eltern zurückgekehrt. Leider kam es aufgrund der für Kinder typischen ausgeprägten Knochenheilungstendenz zu einer erneuten Ankylose, d.h. einem abermaligen Verwachsen des Kiefergelenks mit der Schädelbasis. Jorges Mundöffnung war wieder nur auf etwa 1 cm eingeschränkt. 

Nach Anfertigung einer Computertomographie entschlossen wir uns, Jorge wieder zu operieren. In einer mehrstündigen Operation führten wir dann eine nochmalige Resektion des Kiefergelenks durch und implantierten eine Silikon-Folie als Trennschicht zwischen Unterkiefer und Schädelbasis. Das soll verhindern, dass es wieder zu einer Verknöcherung im Bereich des Kiefergelenks kommt.

Jorge war aufgrund einer Vorerkrankung und fehlender medikamentöser Therapie sowie schlechter Ernährung an Noma erkrankt. Hierbei handelt es sich um eine bakterielle Infektion, die bei ihm zu Verlust bzw. zur Auflösung und Zerstörung von Knochen und Weichgewebe im Gesicht geführt hat.

Ein US-amerikanisches OP-Team hatte ihm in seiner Heimat durch einen Notfalleingriff das Leben gerettet. Dabei wurden das rechte Auge und große Teile des rechten Oberkiefers und der rechten Wange entfernt. Mithilfe dieses Eingriffs und neuer Medikamente konnte eine weitere Ausbreitung der Noma-Erkrankung verhindert bzw. diese ausgeheilt werden.

Aufgrund der großen Zerstörung und des Verlustes großer Anteile des rechten Gesichts kam es allerdings auch zu einer Verknöcherung (Ankylose) des rechten Kiefergelenks. Das schränkte wiederum die Bewegung des Unterkiefers deutlich ein. Eine normale Nahrungsaufnahme war wegen des fehlenden Oberkiefer- und Wangenanteils nicht mehr möglich.

Im Rahmen einer etwa 10-stündigen Operation lösten wir im Juni 2019 zunächst die Ankylose im Bereich des rechten Kiefergelenks. Gleichzeitig wurden die umfangreichen Narbenbildungen entfernt und anschließend ein Muskel-Haut-Transplantat aus dem Rücken entnommen und mikrochirurgisch transplantiert. Dabei wurden die versorgenden Blutgefäße unter dem Mikroskop wieder an die Halsschlagader angeschlossen (reanastomosiert).

Nach einer längeren Nachbetreuung konnten wir Jorge dann aus unserer Behandlung entlassen. Das Erscheinungsbild war deutlich verbessert, so dass Jorge wieder am normalen Leben teilhaben kann. 

Das Team der Klinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie am Universitätsklinikum Würzburg. – Das Kind wurde in der Klinik zur Behandlung vorgestellt durch Friedensdorf International.

Jorge, Angola, im Jahr 2019 und 2021

Universitätsklinikum Würzburg